Der hier vorgestellte Auszug aus dem 7. Kapitel des Romanes "Lächeln" wurde als Live-Version für eine Lesung 2004, in Berlin neu interpretiert. Den Roman kann man bei unserem Shop erwerben.

  

The excerpt presented here from the 7th Romany chapter of the "smile" was a live version for a Reading 2004, in Berlin re-interpreted. The novel can be at our shop.
 

 7. Lächeln

Das Testbild machte diesem interessanten Elend ein plötzliches Ende. Es verwandelte sich in eine Werbeanzeige und

dann noch viel schlimmer, in einem Strichcode. Als es wieder verschwand, sah man einen Astronauten, der sich für die

Störung entschuldigte und sich danach in die Staatsfahne verwickelte. In seinem Hintergrund erblickte man die Sonne.

Sie hatte gerade Feuer gefangen. Dann brach er ruhig und nach Luft schnappend, zusammen. Die Rückflüge werden

nun auch eingespart.

Der rote Knopf auf der Fernsehbedienung lockte. Wenn man weiterschaltet, was man ja tun muss, um nicht Zeuge eines

Mordes zu werden, erblickt man den Präsidenten, wie er auf gesammelter Presse, mit der Bibel einschlägt. So entstehen

sogenannte Schlagzeilen.

Dann wird erinnert, wie der gute alte Präsident vor langer Zeit aus dem Meer kroch und die Leute vom Paradies befreite.

Böse Asylantragsteller und stellerinnen wurden von ihm eigenhändig mit dem Quastenflosser erstochen.

In dieser Zeit spielte die junge Maisha, noch unter Wahnsinn stehend, Blockpfeife. Mono singt stereo dazu

Beschimpfungen, die sich das Publikum aussuchen darf. Die anwesenden Zuschauer schweigen vor hysterischer

Begeisterung. Daraufhin folgten die Nachrichten, die einige Meldungen wert waren, zum Thema: «Warum kommt alles

wieder und vieles nicht?»

Wie zum Beispiel dieser Mond. Heute ging er nicht unter und begrüsste die Sonne. Sie tauschten Sterne gegen Wolken.

Ihre Gräfin Galerina Berge von Trips kommt vom Schlaf gehen zurück. Nach ihrem Winterschlaf setzt sie sich neben den

Sessel, um auszurehen. So ähnelt sie einer Schneeflocke, denn es war dunkel und man konnte sie nicht sehen. Zur

gleichen Zeit ergreift sie die Gelegenheit in Form der Fernsehbedienung. Sie spielt darauf ziemlich gut Klavier. Ihre Finger

erlaubten es ihr und sie nahm diese überall hin mit. Langsam macht sie ihre Augen auf und öffnet so ihren Kopf.

Die Bilder fliessen schnell auf allen Bildmomenten, wie ein Wasserfall aus Bildmist. Sie benetzen die Iris und den

Bildschirm des Fernsehers, der nun auch aufgewacht ist. Wie ein riesiges Wesen das nun anfängt Geschichten zu erzählen.

Die Nachrichten erscheinen auf allen Bildmomenten. Es ist irgendwie Nacht. Alle aktuellen Nachstellungen des Tages,

heute mal die von heute:

Ein beachtlich grosser Prozentsatz seltener Bären explodieren vor Neuseeland aufgrund ihres wertvollen Felles.

Die Sprecherin konnte ein Interview mit einem dieser explodierenden Bären arrangieren. Ihre neue Frisur lenkt jedoch

vom Thema ab.

Nach diesem gottgleichen Übergang entschuldigt sich ein etwas anderer Moderator für die Falschmeldungen: Totaler

Weltkrieg an allen Fronten und rostige Nägel sind gut für vitaminbewusste Ernährung.

Charmant brüllt er vor Lachen die Kamera an. « Dieses Versprechen war ein Versprecher.»

Denn laut Studie über Drogenabhängigkeit ist jeder fünfundsechzigste ja auch nur ein Mensch.

Rekordversuch im texanischen Katmandu. Yogis schweben in den Himmel und wer zuerst die amerikanische Flagge

auf dem Mond erreicht, hat gewonnen. Dabei benutzen sie nicht mehr, als ihren starken meditativen Glauben und je

eine Bärenfelldecke.

Nun ist es beschlossene Masse - ab dem nächsten Hexensabbat werden Schneeflocken verboten. Sie hätten einen zu

hohen Anteil an Aggression in sich. Deshalb dürften sie nur noch exportiert werden.

Ein Regierungsbeamter beim Amt für Regierungsbeamte, in der Abteilung Tatsachen schüttelte dazu offizell den Kopf

in nicht bekannte Richtungen.

Nordosten. Die Weltmeisterschaft im « Frisch am Ball bleiben» durch Vorstellungskraft hat soeben begonnen und

wird wohl wahrscheinlich nie enden.

Der diesjährige Favorit ist Nach wie Vor der Alltag. Sein stärkster Konkurent - LSD - wurde wegen

Dopingverdachtes regelrecht ausgeschlossen und ausgezeichnet.

Genf. In Brüssel wurde heute die lokale Zeitspringerei erfunden. Hauptbestandteil sind ein Sprungbrett, ein Wecker

und ausreichend Platz in Form von Himmel.

Dazu meinte ein Professor der Universität « Kadettenglück Normandie» nach einer genaueren Heimsuchung von

starken Quellen und Flüssen: « Wenn alles klappt sind wir schon in zwanzig Jahren so weit, dass wir einen

Wissensstand wie vor fünfzig Jahren erreichen können. Das ist ordentliche Zeitspringerei.»

Das Wetter. Hagelschauer in Gebieten, von denen man so etwas nie erwartet hätte.

Schwerer Niederschlag bei der Bevölkerung. Saurer Regen im Trinkwasser. Aber alles in einem Grad plus minus

Null.

Verpassen Sie nicht den Anschluss, in dem heute eine Diskusionsrunde mit dreiundsiebzig Politikern und einer

Marktfrau stattfindet. Zum interessanten aktuellen Thema:

« Mein Haus will sich von mir trennen, welches Amt beachtet mich? »

Gräfin Galerina schaltet um, da nun ihre Lieblingsserie anfängt. Die alte Krimiserie:

« Der gnadenlose Playboy» über einen Komissar den alle Frauen wollen, der aber vor den prikären Momenten

hysterisch kreischend wegrennt, um fromm zu bleiben und weiterhin frauenfeindliche Witze erzählen zu können.

Ein Mann wie jedermann.

Kommissar Wasil fährt in einem gebrauchten Kleinwagen Richtung Schwarzweissfilm.

Sein Weg wird nur von gelegentlichen Blitzen und brennenden Schulbussen beleuchtet. Es lief gut. Dafür, dass er zwölf

Jahre alt war hatte er schon bemerkenswert oft das Universum gerettet.

Nun hatte er mal wieder einen Fall zu lösen, noch bevor es einer war. An der Groschenromanstrasse, Ecke

Trivialliteratur, überfuhr er einen feindlichen Geheimagenten in Form einer alten Oma im Rollstuhl.

Dadurch gelangt er gleichzeitig zum Schauplatz des Verbrechens. Wer hatte diese Oma umgebracht und warum zu so

einem ungemütlichen Wetter?

Seine Nachforschungen trieben ihn ins Sauflokal « Tankstellen Fusels Spass Bar.»

Er setzte sich zuerst an die dunkle Theke, bestellte Orangensaft mit viel Whisky drin und schoss ohne hinzusehen mit

der Dienstwaffe in die tanzender Menschenmenge. Aber nicht länger als es nötig war, um sein Besäufnis in der

Dienstzeit von der Steuer abrechnen zu können.

Dann traf er den zwielichtigen Butler. Dieser Kerl war unruhig und morgen wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

Bevor er jedoch seine Informationen verraten konnte, wurde er von der Toilette entdeckt. Der zwielichtige Butler sollte

nicht mehr wiederkommen, da die Toilette ermordet wurde.

Nun war Kommissar Wasil sein neuester Fall. Er vergass ihn durch den schwarzen Kater in seinem Kopf am nächsten

Morgen. Fortsetzung verfolgt.

Galerina konnte es kaum erwarten den nächsten Teil der Krimireihe zu sehen, um zu erfahren wie alles weitergeht,

aber sie vergass es gleich wieder, weil eine neue Sendung kam.

Nach einer kurzen aber unhöflichen Anrede von Seiten der Moderatorin geht alles los. Das heutige Thema der

wissenschaftlichen Sendung ist «Satanismus oder Computer?»

Der Sprecher beginnt: « Vorhanden in der Kreuzung der Trennung! Der absolute Nullpunkt ist auch nur die

Wechselwirkung zwischen bioelektrischer Musik und Teilchenbeschleunigern.

Der Laborversuch in der Realität zeigt: Ein gläubiges Frettchen verteidigt seine Rechtshändigkeit mittels Abwasser.

Danach liefert es sich jeglichen Buchstaben aus, fällt ins eigene Abendmahl und verlässt so die Umlaufbahn.

Der Massenspektrometer sagt Aborigines voraus. Die machen meistens Wochenausflüge in einer gebrauchten

Raumsonde zum Marsgebiet Arabia. Es ist keinesfalls befreit von Mythen oder Legenden, hat dafür ein 3 D Kino. »

Währenddessen wird das Frettchen wieder von seiner Antimaterie geplagt. Sein Zwischenhirn besucht noch immer

den Saturn.

Phase zwei. Das Frettchen als menschliche Familie. Morgens eine Milchstrasse in den Kaffee und dann die Mikroben

zum Kindergarten gebracht. Mit dem nächsten Infraschall zurück über die Luftzirkulation und den ganzen Tag lang den

lästigen Quastenflossern zuhören. die sich sowieso nur von der einen Ultraschallwelle leiten lassen. Aber da liegen sie

falsch, denn bei all den Alphateilchen müssen sie einfach Egoisten sein.

Die Familie sitzt in Form der heiligen Dreieinigkeit am Frühstückstisch und bedankt sich bei Gott für den Schnaps.

Dann vollzieht sich der Persöhnlichkeitswandel und sie verwünschen die Nachbarn. Egal in welcher Form sie in der

Welt auch vorkommen. Nachdem die geistige Nahrung beseitigt worden ist, sammelt der Vater sein

Unterbewusstsein ein und geht zur Arbeit Sozialhilfe beantragen.

Die Mutter hat auch eine Arbeit, ist aber arbeitslos. Sie räumt den Tisch durch Gläserrücken ab. Im Brot sind schon

wieder Kornkreise.

Sie zieht sich noch schnell den Aberglauben über und trifft sich dann mit ihren fünfzig besten Freundinnen zur

Begegnung der vierten Art.

Die Tochter bastelt inzwischen schnell noch einen zeitlosen Superraum für die Schule und geht danach raus ins

Unwetter spielen.

Der Sohn ist spät dran, er macht ein jenseitiges Gesicht und verliert ein paar massenlose Energieteilchen beim

Karateballettunterricht.

Die Sendung ist zu Ende, das Experiment nicht. In der nächsten Folge wird die Dunkelheit beleuchtet. Wo fängt sie

an und wo noch?

Galerina konnte es kaum erwarten, ihre andere Lieblingssendung über einen Bergdoktor, der die Herzen der Frauen

durch Schönheitsoperationen repariert, zu sehen.

Es war zwar eine Wiederholung und sie hatte schon angefangen aber die heutige Folge « Alles Galle» war ein Klassiker.

« Eigentlich sind sie ja nicht krank, aber eine Operation würde ihnen trotzdem nicht schaden.» , schmunzelte der

Chefarzt, mittleren Alters, zur Schwester herüber, die ihm gerade seine heutige Dosis spritzte.

Dann widmete er sich der nötigen Notaufnahme.

« Wir wenden bei ihnen die fraktionierte Destillation an, wie sie schon an Steinen getestet wurde. Ihre

Anzeigenbeleuchtung sagt mir es ist höchste Eisenbahn. Schwester, wo ist denn die Kreissäge schon wieder? »

« Im Kreissaal, Heinz.»

« Gut, sehr gut. Ist zwar jetzt schlecht aber sie können ja schon einmal die Elektrode an ihrem Freilauf anschliessen

und dann nichts wie rauf mit dem Knallgas!»

« Doktor.....ihre Frequenz wird immer lustiger! Was soll ich tun? »

« Verdammt! Fahren sie die Patientin runter und Neustart. Nehmen sie mir doch bitte noch die Blinkleuchten von den

Augen, so kann ich doch nicht vernünftig pfuschen.»

Sogleich machte sich eine mittelgrosse Primärspannung im Kreissaal breit. Eine gewisse Verdunstungskälte zeichnete

sich in dem Gesicht des Arztes ab. Der Gefrierpunkt war gebrochen als er seiner Schwester eine Schwäche zeigte.

« Was zum Teufel ist denn das hier? Schwester, schnell, ich brauche Tupfer, Skalpell und eine Antwort.»

« Entweder ist es ihr Mittag oder es ist ihr Mittag, Hochwürden. »

« Egal, zu machen. Läuft ihr Generator noch? Wahrscheinlich feststehende Unterbrecher. Versuchen wir eine

Spätzündung.»

« Aber heute ist doch nicht Mittwoch.» , wimmerte seine Schwester.

« Na dann weiss ich auch nicht. Ich muss da ersteinmal meine Frau fragen. Schwester, meine Frau bitte.»

« Ihre erste oder ihre dritte?»

« Für diesen Fall denke ich.....reicht die zweite. Ist sie steril? »

« Natürlich, bitte.»

« Natürlich danke. Hallo Heinz.»

« Hallo Schatz. Was soll ich jetzt hier machen Horst?»

« Ich weiss nicht, Heinz.»

« Hey, das ist eine gute Idee. Schwester, wir lassen einfach alles so. »

« Komm heute wieder betrunken nach Hause, Heinz. Meine Mutter ist zum Essen da. »

« Schwester, bringen sie meine Frau hier sofort weg. Ich brauch sie nicht mehr. »

Der Arzt steckt sich zufrieden einen Joint an und wertet seine Patentien aus.

« Also......die Anode macht mir Sorgen aber mit einem kräftigen Drehmoment könnte sich das ändern. Irgendetwas ist

es ja immer.

Jagt sie nochmal durch den Seperator und überprüft das Differentialgetriebe. Wenn ihr Leergewicht den Wirkungsgrad

geradezu nicht bemerkt, müssen wir den Leerlauf starten! Wenn nicht, dann auch. Legieren sie, was sie nur können.»

« Aber Herr Doktor, der Kaffee ist alle.»

« Was? Aber das ist doch unmöglich. Heute ist doch Vollmond. Wir brauchen das Zeug. Schnell Schwester, geben sie

mir den gesunden Menschenverstand. »

« Ich finde nichts....»

« Das geht auch. So beeilen sie sich doch!»

« Geht es um Leben oder Tod?»

« Viel schlimmer. Um den Feierabend.»

Nach der Operation sezierte der Arzt noch schnell ein paar Leichen, er verwechselte beides oft. Heute sezierte er Leute,

die vor eine Bahn gefallen waren, und empfing dabei eine Grundschulklasse.

« Schade das man diese schönen Särge vergräbt und verrotten lässt. Ich behaupte, dass sie zu jeder Schrankgarnitur

Europas passen würden.

Und noch ein Tip, Kinder: Comicfigurenkrawatten sind nicht mehr totschick. In dieser Saison tragen Leichen, die mit

der Zeit gehen wollen, eher ein müdes Lächeln. » Der Bergdoktor schaute weiter in die Leere und schmiss ein paar

Leichenteile zu den Kindern.

« Einen toten Körper zu verbuddeln ist teuer. Und ein Berufszweig. Manchmal gibt es Massenrabatt. So ab zwei

Meter.»

Auf der Türschwelle, die auf einer weiteren Türschwelle lag, die mitten im Zimmer lag, drehte sich der

phantastische Arzt und Hobby Alkoholiker, nochmal um und spuckte kleinlaut die Worte in den nachdenklichen Raum:

«Aber fangt ersteinmal mit dem Acid an, dann sehen wir weiter.»

Gräfin Galerina schaltete die Arztserie aus und war plötzlich krank. Konnte sie denn als Medium überhaupt einer

Mediensucht erliegen? Ist totales Reden nicht gleich duellieren? Hört sich traurig an, machte aber Spass. Man hörte

Tauben in der Luft liegen. Dieses Symbol des Friedens, diese Ratten der Grossstadt. Ein Sommerhaus, später. Ein

Fussweg, heute. Wiesen voller Maulwurfshügel. Alles liess sich blumen.

 

 

 

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